Meine Wunde ist verheilt

Hans A. Pestalozzi (1929–2004) – «Meine Wunde ist verheilt», schrieb er 1991. «Die Narbe bleibt. Sie schmerzt noch immer – von Zeit zu Zeit. Nicht der Verwundung, sondern der verpassten Chancen wegen.»

So beginnt der Nachruf in der weltwoche.

Es ist ein guter Satz, wenn man auf dieser Welt leben will. Er wählte mit 75 Jahren den Freitod und konnte selbstbestimmt die Zeit auf dieser Welt beenden.

Arthur Schopenhauer hätte gerne noch ein paar Jahre gelebt aber starb mit 72 friedlich auf dem Sofa.

Und Seneca mußte auf Geheiß von Nero sich selbst töten im Kreis seiner Freunde.

Diese Personen habe ich aufgeführt, weil sie mich interessieren und Texte geschrieben haben, die für mich wichtig sind.

Wer lebt muß sterben.

Aber vorher leben.

Und nun kommt der fotografische Teil bei diesem Thema.

Der hat in diesem Artikel nur einen Namen: Michael Ackerman.

Er reiste durch die Welt und machte Fotos, sammelte Eindrücke und gab ihnen Ausdruck. Ist es Reise/Dokumentar/Streetfotografie?

Er fotografierte (machte “Straßenfotografie”) in der heiligsten Stadt von Indien, in Benares. Dort wo die Menschen hinreisen, um zu sterben oder die Leichen der Verstorbenen zu verbrennen.

Und er nutzt dort die Kamera. Er lebt mit der Fotografie. Er dokumentierte und verarbeitete mit der Kamera und drückte es auf seine Art aus:

“Sein vollkommen unakademischer Gebrauch der Fotokamera unter bewußter Hinzunahme von Belichtungsfehlern, Überblendung, Unschärfe und Bewegung, um letztlich die Kühle und Starre der Technik zugunsten des ungehinderten Ausdrucks des Bildes völlig zu überwinden, bringt ihm höchste Anerkennung ein. Er gilt als einer der einflussreichsten Fotografen für jüngere Generationen.

Betrachtet man seine Bilder, ist es unmöglich, sich ihrer unglaublichen Intensität zu entziehen.”

Street photography in diesem Sinne kann also so viel mehr sein als das, was wir “normalerweise” sehen oder uns als Motive suchen oder finden.

Auf Facebook stand es so: “During this weekend Michael Ackerman will share with you his instinctive and visionary approach to photography.

His method doesn’t follow tradition, it is not a simple chronicle of events. The pace of his photography is closer to cinematography than traditional documentary photography: images used in sequences, different formats, pictures that appear «wrong», images used as links between other images; all used to compose an essay that does not value where or when the pictures were made but rather attempts to capture a deeper emotional and spiritual truth of the subject.

The goal of this workshop is to challenge, inspire and help each other get deeper into the territory that we are exploring as photographers.”

Vergleichen Sie mal seine Fotos und seine Motive und seine Art zu fotografieren mit dem, was wir hier an Fotografien von der Straße sehen.

So zeigen uns die Fotografien als Spiegel direkt auch unsere Art zu leben – und zu sterben.

Ich finde dies sehr spannend und kreativ – und anregend für die eigene Fotopraxis.

Wenn man nicht dem nachträglichen Filtermix verfallen will, dann muß man mit einer echten Digitalkamera arbeiten.

Ich habe dies vor einigen Jahren sehr gerne mit der Olympus XZ-1 gemacht, hatte aber einen etwas anderen Zugang.

Auf jeden Fall ist der Blick auf solche Fotos anders und länger.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

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