Streetfotografie zwischen sozialer Dokumentation, urbaner Poesie und neuen Zeiten

„Viele klassische Arbeiten der Straßenfotografie entstanden in der Zeit zwischen etwa 1890 und 1975 und fiel mit der Einführung tragbarer Kameras, insbesondere kleiner 35-mm-Messsucherkameras, zusammen. Klassische Praktiker der Straßenfotografie sind Henri Cartier-Bresson, Robert Frank, Alfred Eisenstaedt, W. Eugene Smith, William Eggleston, Brassaї, Willy Ronis, Robert Doisneau und Garry Winogrand.“

So stand es auf Englisch 2007 in der Wikipedia. Ich habe es mit google übersetzt.

Es kam also auf die Technik an.

Kleine Kameras – angefangen bei der Leica M – ermöglichten neue Momente an neuen Orten.

Man konnte die Momente und/oder die Orte wechseln.

Man suchte sich einen Ort und wartete vor seiner „Bühne“ auf den passenden Moment oder ging die Welt entdeckend umher – flanierte aufmerksam – und sah zufällig einen Moment für die Momentaufnahme.

Jetzt sind wir fast 50 Jahre weiter.

Das Wort street photography ist geblieben und wurde an die jeweilige Sprache angepaßt wie z.B. als  Streetfotografie im deutschen Raum, aber es hat sich in seinem Inhalt auch verändert.

Und Grundlage sind wie früher wieder technische Entwicklungen.

Der entscheidende Unterschied ist der Übergang von der filmbasierten zur sensorbasierten Fotografie einerseits und der Übergang von reinen Digitalkameras zu Smartphones andererseits.

Hendrik Neubauer sah es 2016 so:

„„Heute existiert alles, um in einer Fotografie zu enden“, das schrieb Susan Sontag 1977 in ihrem Buch „Über Photographie“. Wer durch die Metropolen läuft und dabei zuschaut, wie die Generation Smartphone über sich selbst hinaus ihre Umwelt scannt, der findet diesen Satz bestätigt. Als ob es kein Morgen gäbe, wird auf der Straße geknipst. Dabei entstehen meist digitale Pissmarken, die dem Betrachter entgegenschreien: „Ich war hier.“ Wem das nicht reicht und wer der Nachwelt in ansprechenden Fotos beweisen möchte, das dort auch ein paar Menschen durch das Bild liefen und eine Menge Gebäude herumstanden? Im Netz finden sich an allen Ecken Apps und Tipps für Street Photography mit dem Gerät, das eigentlich mal ausschließlich zum Telefonieren diente. Und selbst Fotojournalisten der New York Times leiten iphone-User an, wie sie das Optimum für ihre Straßenfotos herausholen können.“

Jetzt sind wir 5 Jahre weiter.

Die Smartphones haben die Medien und die Menschen erobert.

Fotografie lebt wie nie zuvor. Das gibt die Richtung vor.

Da geht die Post ab – posten ist das neue Leben.

Und wir sind mittendrin.

Die neue Streetfotografie ist daher immer mehr das Ergebnis des neuen Blicks mit dem Smartphone und digitalen Techniken.

Das entwertet keine Fotos mit reinen Digitalkameras, die in meinen Augen dadurch sogar z.T. aufgewertet werden, weil sie die andere Art der Fotografie mit mehr eigener Gestaltung bieten.

Aber im Alltag dominiert das Smartphone heute fotografisch fast völlig.

Und so leben wir in einer Welt voller Filter und Farben und digitalen Möglichkeiten.

Es ist eine neue Freiheit, die neues Sehen ermöglicht und neue Fotos.

Es kommt nur darauf an, was wir daraus machen.

 

 

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