Das freie frühe Werk von Henri Cartier-Bresson als Vorbild für meinen eigenen freien Blick


„Cartier-Bressons Aufnahmen aus den frühen dreißiger Jahren, sein photographisches Frühwerk, ist eine Sache für sich. Cartier-Bresson war ausgebildeter Maler, und sein Kunstbegriff entwickelte sich unter dem aufgehenden Stern des Surrealismus und in einem kulturellen Umfeld… Seine frühen Fotografien haben so gut wie nichts mit Photojournalismus zu tun… Diese Unterschiede wurden verwischt durch die Tendenz, Cartier-Bressons gesamte Karriere als ein Ganzes zu betrachten und so die Interpretation des Nachkriegswerks rückwirkend auf das Frühwerk auszudehnen.“

So schreibt es Peter Galassi in seinem Aufsatz in dem Buch Henri Cartier-Bresson „Die frühen Photographien“.

Im Prinzip würde ich die Gründung von Magnum 1947 als Wendepunkt bezeichnen. Bis dahin gestaltete er seine Fotos als ausgebildeter Maler, ab dann gestaltete er seine Fotos zusätzlich auch so, daß sie verkaufsfähig waren als erzählende Reportagefotografien für seine Auftraggeber.

Ich habe an anderer Stelle schon darauf hingewiesen, daß Cartier-Bresson uns sehr gekonnt auch noch einen Spiegel in seinen späteren Fotografien vorhielt, den man aber nicht auf Anhieb sieht bis man tiefer blickt.

Denn er kombinierte die visuelle Grammatik der Geometrie oft mit „Dissonanzen im Motiv“ und gab seinen Fotos dadurch eine sehr interessante Mehrdeutigkeit, die durch aus als Sozialkritik verstanden werden konnte.

Ich finde daher sein Frühwerk außerordentlich bereichernd für mein eigenes fotografisches Verständnis. Da ich ihn ja damals als virtuellen Lehrer hatte, ist er mir nicht fremd.

Wenn man so will, ist mein freier Blick inspiriert durch seine frühen Fotografien während meine dokumentierenden Fotos die visuelle Grammatik seiner Reportagefotos aufweisen.

Ich habe aber mit dem Studium seiner Reportagefotos und Auftritte zum Thema Fotografie angefangen, weil ich in der Praxis soziale Ereignisse und Entwicklungen visuell dokumentieren wollte und mich dann sozusagen zu seinem Frühwerk durchgearbeitet.

Nun denn, die folgenden Fotos enstanden spontan unterwegs.

1 – Die Zerrüttung des Blicks – Hierbei dachte ich an sein Foto mit dem Jungen vor der Wand, der in der Luft seinen Ball sucht. Bei ihm ist die Wand hinter dem Jungen, hier ist die Wand als transparent gedachte Fläche vor dem Auto und der Straße. So hat er mich inspiriert – aber nicht zum Nachmachen sondern zum Sehen und anders machen.

2 – Hier dachte ich an sein Schaufensterfoto und suchte so etwas – ich fand ein noch großartigeres Motiv bei dem die Spiegelung meines Objektivs den Weg ins Dunkel zum Unterbewusstsein mit seinen Wünschen zeigen soll

3 – Hier hatte ich schon kein Foto von ihm mehr im Kopf als Inspiration, aber ich hatte den freien Blick und kreierte eine surreale Spielerei mit Lust und Licht – das was aus uns wächst.

Heute – 11 Jahre später – habe ich wieder diesen freien Blick gefunden und bin nun eher zufällig auch noch auf diese Fotos von damals gestoßen.

Dabei ist mir erst deutlich geworden, wie groß der Einfluß von Henri Cartier-Bresson auf mich war und ist jenseits der Lektionen der visuellen Grammatik.

Das Wichtige an den Fotos für mich ist das befreiende Sehen, der befreite Blick jenseits der Matrix.

So hilft der Blick zurück nach vorne mehr zu sehen.

Na dann!

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